GENDERN, SEO UND USABILITY:

wenn das Streben nach Gleichberechtigung diskriminiert

 

Gendern ist keine neue Trenderscheinung mehr. Mehr und mehr findet die genderneutrale Sprache Einsatz im Alltag. Nicht nur in der gesprochenen Sprache stößt Gendern nach wie vor auf Gegner. Auch bei geschriebenen Texten herrschen keine klaren Regeln. Was ist also unter den Aspekten der Nutzerfreundlichkeit, SEO und zunehmenden Bedeutung der Barrierefreiheit zu beachten?

Noch immer polarisiert das Thema Gendern und führt zu Problemen und Diskussionen. Doch wie beeinträchtigt das Gendern SEO? Ein genauerer Blick in die Suchergebnisse zeigt erschreckende Auswirkungen auf das Ranking bei Google und Co.

Diskriminierender Google Algorithmus?

Bei einem einfachen Vergleich von verschiedenen Schreibweisen und der genderneutralen Variantenbildung von Suchbegriffen zeigen die Suchergebnisse deutliche Unterschiede. Zum Test wurden dafür viele verschiedene Begriffe und deren verschiedene gendergerechte Schreibweisen überprüft. Am folgenden Beispiel wird das Problem aufgezeigt:

Um die Problematik aufzuzeigen, wurde nach dem Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin gesucht. Durch das Setzen der Suchanfragen in Anführungszeichen, wird nach Websites gesucht, die diese exakte Schreibweise des Begriffs genau so enthalten muss. Durch Google erhält man bei der Suche nach „Erzieherin“ etwa 4.970.000 Ergebnisse.

Die Zahlen im Vergleich:

  1. "erzieher": ca. 10.300.000 Ergebnisse
  2. "erzieherin": ca. 4.970.000 Ergebnisse
  3. "erzieherinnen": ca. 2.590.000 Ergebnisse
  4. "erzieher*innen": ca. 7.250.000 Ergebnisse
  5. "erzieher:innen": ca. 379.000 Ergebnisse

Es zeigt sich: Erzieher*innen ist stärker verbreitet als Erzieherinnen. Die Suche nach dem generischen Maskulin „Erzieher“ dominiert jedoch die Suchergebnisse im Vergleich. Allerdings zeigen sich nun Änderungen beim Algorithmus, der sich laut Google selbständig an das Nutzerverhalten anpassen würde. Sucht man nach „erzieher*innen“ finden man auch Suchergebnisse mit „Erzieher/innen“. Das Trennzeichen mit dem * wird also mit der Variante „Erzieher/innen“ gleichgesetzt. Hier lernt der Algorithmus tatsächlich dazu.

Wer aktuell zu diesem Beispiel in seinem Alltag sucht, verwendet in der Regel die Suchbegriffe „erzieher“ oder „erzieherin“ und gibt nicht diese Begriffe in Anführungszeichen ein. Vereinzelt findet man beim Besuch der Websites auf der ersten Suchergebnisseite im Text auch die Schreibweise „Erzieher/in“ oder „Erzieher*in“. Die genderneutrale Schreibweise im Plural „erzieher*innen“ lieferte bei diesen Suchanfragen allerdings keine Treffer in den Texten. Warum ist das so? Weil das Suchverhalten und das verwenden von Genderformen stark unterschiedlich ist. Gegendert wird zwar durchaus in den Inhalten auf Websites, aber keiner sucht so. Warum sind die Suchergebnisse aber nun so wie sie sind? Ist Google also tatsächlich frauenfeindlich?

Hauptgegner generisches Maskulinum

Um der Frage auf den Grund zu gehen, muss zunächst die deutsche Sprache etwas genauer betrachtet werden. Die in Deutschland allgemeingültige Bezeichnungen, beispielsweise für Berufe, sind häufig sogenannte Aussagen im generischen Maskulinum.

„Die Lehrer“, „die Schüler“, „die Autofahrer“ – aus dem alltäglichen Sprachgebrauch bekannte ordinäre Begriffe. Sprachwissenschaftler erklären zurecht, dass sich diese Wortformen durch den Sprachgebrauch entwickelt haben. Aufgrund der Wortbildung durch Anhängen bzw. Ändern der Wortendung mit dem Morphem „-er“, wird aus einer Tätigkeit beispielsweise eine Berufsbezeichnung.

„Die Lehrer“ sind also nach deren Tätigkeit im Alltag, dem Lehren, benannt. Die Herleitung der Bezeichnung soll eines verdeutlichen: Man muss klar differenzieren zwischen Genus (grammatisches Geschlecht) und Sexus (biologisches Geschlecht).

Dieser Artikel ist keinerlei Wertung des Genderns oder Diskussion über dessen Daseinsberechtigung. Es soll lediglich die Problematik des Genderns in Bezug auf gute Rankings in Googles Suchergebnissen beleuchtet werden.

Der Einsatz eines grammatischen Geschlechts hängt nur bedingt mit dem biologischen Geschlecht zusammen. Es heißt „das Auto“, „der Motor“ und „die Reifen“. Weshalb hier Unterschiede zwischen weiblich, männlich und neutral gemacht werden, folgt keiner Logik. Allerdings handelt es sich hier um den Genus, also das grammatikalische Geschlecht.

Auf den ersten Blick stellt sich nun die Frage, was diese Begriffe nun mit Gendern zu tun haben. Bei den genannten Beispielen gibt es keinen Bezug zu einem biologischen Geschlecht. Bei Gegenständen ist das Gendern auch kein Thema. Dennoch gibt es ähnliche Besonderheiten bei genderrelevanten Begriffen mit Bezug zum biologischen Geschlecht.

Deutschland war eine tolle Gastgeberin

Auch wenn offiziell im Duden „die Gästin“ zu finden ist, fühlt es sich irgendwie falsch an. „Der Gast“ hat sich im Sprachgebrauch etabliert. Bei „Lehrer“ und „Lehrerin“ sind hingegen beide Varianten geläufig. Hingegen ist es die Geisel. Eine männliche Form gibt es in der deutschen Grammatik nicht.

Die Schweiz wäre eine gute Gastgeberin, weil die Schweiz weiblich ist, aber Deutschland nicht. Dennoch dürfte der Anteil an weiblichen Staatsbürgerinnen vergleichbar sein (oder heißt es weibliche Staatsbürger, weil ja schon weiblich davor steht?). Der schweizerische Boxverband war ein guter Gastgeber, weil ein Verband männlich ist. Sind dann aber die der schweizerische Frauenbund deswegen immer gute Gastgeberinnen?

Dieser Ausflug soll eines verdeutlichen: Die Thematik des Genderns ist nicht nur von dem Anstreben einer sexuellen Neutralität beeinflusst, sondern steht ganz maßgeblich unter dem Einfluss der deutschen Grammatik. Genderneutrale Texte müssen die komplexen Wortbildungsarten, die sich durchgesetzt haben, umgehen und neu definieren. Allerdings gibt es, wie die Sprachwissenschaft zeigt, keine klaren Regeln für das Verwenden der Genera. Zwangsweise wird dadurch auch auf den Sexus geschlossen.

Auch wenn Gendern bereits länger ein präsentes Thema ist, klare Regeln für genderneutrales Schreiben gibt es nicht. Die deutsche Wortbildung und Unterschiede beim Bilden zwischen einer männlichen und weiblichen Bezeichnung ist nicht so simpel wie beispielweise im Englischen. Nicht binäre Bezeichnungen gibt es im Deutschen für viele Berufsgruppen überhaupt nicht.

Die Problematik fußt auf der natürlichen Entwicklung der deutschen Sprache. Diese Entwicklung ohne klare Regeln und mit verschiedenen Sonderfällen lassen sich nicht einfach in einen Algorithmus übertragen. Schiffe sind neutral, aber Schiffe mit Namen weiblich. Es ist eben „die Titanik“.

Googles Algorithmus ist nicht unfehlbar

Googles Ziel ist offensichtlich: Bei jeder Suchanfrage den Nutzern die besten und relevantesten Suchergebnisse passend zu einer Suchintention zur Verfügung stellen. Dafür muss der Algorithmus natürlich die Suchintention genauso wie die Bedeutung eines Wortes verstehen. Die Komplexität der Pluralbildung in der deutschen Sprache ist auch für Google eine Herausforderung. Für die eigentliche Bedeutung und die Zusammenhänge verschiedener Wortformen gibt es eben kein universelles Rezept.

Dass Google das Verknüpfen von Wortformen und deren Zusammenhang schwerfällt, zeigt ein Beispiel. Der Plural von „Brennofen“ ist „Brennöfen“. Für den alltäglichen Sprachgebrauch leicht verständlich, ist diese Form der Pluralbildung für den Algorithmus komplex.

Ob Singular oder Plural spielt bei der Suche oftmals keine entscheidende Rolle. Google erkennt in der Regel die Zusammenhänge und kann dadurch die potenziell beste Seite für die Suchanfrage ausgeben.

Für „brennofen“ und „brennöfen“ gab Google lange Zeit verschiedene Ergebnisse aus. Die Pluralbildung war für den Algorithmus schlichtweg nicht nachvollziehbar. 2020 verstand der Algorithmus, dass sich dahinter dieselbe Suchintention versteckt. Die Suchanfragen pro Monat im offiziellen Google Keyword Tool zeigen mittlerweile auch das gleiche Suchvolumen. Sie wurden zusammengefasst. Bei „keramikofen“ ist trotz derselben Endung –ofen bzw. –öfen derselbe Effekt nicht feststellbar. Warum aber?

User Generated Rankings

Google pflegt nicht für jeden Sonderfall in jeder Sprache Updates in die Algorithmen ein, sondern der Algorithmus analysiert das Nutzerverhalten der Suchenden. Die Suchergebnisse werden an das Verhalten der Nutzer automatisch angepasst. Das funktioniert aber nur für Suchbegriffe, die gesucht werden. Gegenderte Formen werden aber nicht gesucht.

Im Fall „brennofen“ und „brennöfen“ hat nicht der grammatische Zusammenhang dazu geführt, dass die beiden Suchbegriffe zu einer Suchintention zusammengefasst werden. Stattdessen haben die Nutzer mit ihren Suchverhalten und geöffneten Websites Google verständlich gemacht, dass hinter beiden Begriffen dieselbe Suchintention steckt. Passiert das auch bei „keramikofen“ und „keramiköfen“, wird sich das monatliche Suchvolumen auch hier gleich ausgegeben. Dies funktioniert nur bei keramiköfen nicht, weil das Suchvolumen sehr gering ist und nicht genügend Nutzerdaten vorliegen, dass der Algorithmus ausreichend Daten hat. Googles Präsentation der Suchergebnisse sind folglich nicht primär durch Google bestimmt, sondern eigentlich User Generated Rankings. Die Nutzer bestimmen durch ihr Verhalten die Ergebnisse mit.

Zurück zur anfänglichen Fragestellung: Ist Google nun also frauenfeindlich? Neu sind diese Vorwürfe nicht, wie beispielsweise der Beitrag von Basic Thinking aus 2019 zeigt. Jedoch rankt Google nicht bewusst Websites mit männlichen Bezeichnungen besser. Das generische Maskulinum ist nach wie vor im Sprachgebrauch verankert und der Großteil der Bevölkerung verwendet diesen nach wie vor im Alltag und in der Suche. Das entscheidende Problem für die schlechteren Positionierungen von Websites, die explizit weibliche oder genderneutrale Bezeichnung mit Hilfe gängiger Sonderzeichen, wie dem Gendersternchen (*), einsetzen, ist also nicht Google, sondern der Einsatz dieser Wortformen im Alltag. Dass heute das generische Femininum, geschweige denn Gendersprache, in der Suche keine wirkliche Rolle spielt, zeigt folgender Vergleich deutlich.

Das generische Maskulinum wird am meisten gesucht. Hingegen werden gegenderte Schreibweisen oder die weibliche Pluralform fast nicht und „erzieher*innen“ überhaupt nicht gesucht. Google trainiert die eigenen Algorithmen allerdings auch über diese Suchanfragen. Sind diese Suchanfragen nicht vorhanden, ist der Algorithmus nicht in der Lage, die Ergebnisse entsprechend anzupassen.

Dass Google die Suchintention der Nutzer erfüllen möchte, zeigt ein weiteres Beispiel. Ob man nach „Friseur“ oder „Friseure“ googelt, liefert fast identische Suchergebnisse. Plural und Singular erkennt Google in diesem Fall als gleichbedeutend. Googelt man allerdings nach „Friseurin“, sind Unterschiede in den Suchergebnissen festzustellen. Hier erscheinen vermehrt Salons von Frauen. Sucht man nach Friseur, erhält man kaum Ergebnisse mit “Friseurin“ im Text.

Wer also „weiblich“ sucht, macht das laut Googles Ergebnissen bewusst. Denn anscheinend werden „weibliche Suchergebnisse“ nach einer „weiblichen Suche“ primär geklickt. Denken Sie an das Beispiel „Frauenarzt“ gegenüber „Frauenärztin“. Wer von einer Ärztin behandelt werden möchte, berücksichtigt das bereits bei der Suchanfrage. Die Suche mit dem generischen Maskulinum hingegen impliziert nicht direkt, dass nach einem Mann gesucht wird.

Google beachtet also lediglich die Suchintention und das Suchverhalten und ist nicht gezielt frauenfeindlich. Dennoch führt das zwangsläufig dazu, dass Websites, die lediglich weibliche Bezeichnungen oder gegenderte Schreibweisen mit Gendersternchen (z.B. Erzieher*innen) oder Genderdoppelpunkt (z.B. Erzieher:in) in ihren Texten verwenden, benachteiligt werden und schlechtere Rankings in den Suchergebnissen erzielen. Das Binnen-I wie bei ErzieherIn hat in der Regel keine Auswirkungen und wird wie Erzieherin gewertet.

Man muss stark differenzieren zwischen dem, was geschrieben wird und was gesucht wird. Content sollte zwar nie für die Suchmaschinen erstellt werden, dennoch geben die Suchergebnisse Aufschluss darüber, wie gesucht wird. Wer auf das Gendern verzichtet, wird in der Regel einen Vorteil bei den Platzierungen durch Google haben.

Top Rankings mit oder ohne Gendern

Das Gendern auf Websites kann eine freiwillige Entscheidung sein, aber für manche Unternehmen oder Behörden gibt es entsprechend definierte Regeln und eine genderneutrale Sprache ist Pflicht. Je nach eigenen Möglichkeiten gibt es folgende Empfehlungen:

1 ) Verzichten Sie komplett auf Gender-Sprache
Das generische Maskulinum ist aktuell im Sprachgebrauch noch immer die ungeschriebene Norm. Mit dieser Wahl gehen persönliche Einstellungen einher und das aktive Verzichten der gendergerechten Sprache kann sich je nach Zielgruppe ebenso negativ bemerkbar machen. Im Sinne der Sichtbarkeit ist es allerdings die bewährte Methode. Diese Lösung ist auch absolut barrierefrei.

2 ) Nennen Sie beide Wortvarianten explizit: Journalisten und Journalistinnen
Diese Lösung vereint eine genderneutrale Sprache mit den häufig gesuchten Suchbegriffen. Daraus können sich allerdings nicht nur Vorteile ergeben. Es besteht die Gefahr des sogenannten Keyword-Stuffings. Werden konsequent beide Varianten verwendet und wiederholt, führt das zu einer auffällig hohen Keyword-Dichte, was sich auch negativ auf das Ranking auswirken kann. Wer also an relevanten Stellen unbedingt gendern will, sollte darauf zurückgreifen.

3 ) Nutzen Sie alternative genderneutrale Begriffe
Statt der verschiedenen Wortvarianten, gibt es teilweise andere Wörter, mit denen die gleiche Aussage getroffen werden kann. So können die „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ durch die genderneutrale Formulierung „Team“, „Mitarbeitenden“ oder „Angestellten“ gleichwertig ersetzt werden. Jedoch gilt auch hier Vorsicht. Einerseits gibt es auch hier Diskussionen, ob alle Begriffe dem eigentlichen Ursprungsgedanken des Genderns entsprechen. So wird alternativ zu dem generischen Maskulinum „Lehrer“ das generische Femininum „Lehrkraft“ verwendet. So wie einst gegen das Ausschließen von Frauen durch den Begriff Lehrer diskutiert wird, gibt es heute Diskussionen, ob durch „die Lehrkraft“ nicht auch Männer ausgeschlossen werden, weil der Genus von Lehrkraft weiblich ist.

Für solche alternativen gendergerechten Formulierungen gibt es bereits Websites, die Empfehlungen aussprechen. Aus SEO-Sicht sind diese allerdings oft ungeeignet. Hier spielt ebenso das menschliche Suchverhalten die entscheidende Rolle. Eine „bücherschreibende Person“ als neutrale Formulierung für „Autor“ ist aus Sicht des Ursprungs für das Gendern legitim. Solche neuartigen Formulierungen sucht allerdings genauso wie auch die gängigen Genderschreibweisen niemand. Und gut lesbar ist das auch nicht.

Wer allerdings gute Rankings erzielen möchte, finden in einer ausgewogenen Nutzung der Regeln 1-3 vielleicht einen gangbaren Weg.

4 ) Nutzen Sie für das * oder : eine Grafik
Eine Methode, um trotz Genderns für Google sichtbar und verständlich zu sein, wäre das Verwenden einer Inline-Grafik, um die gendergerechte Formulierung dazustellen. Allerdings sind bei der technischen Implementierung verschiedene Faktoren zu beachten, beispielsweise das Anpassen der Grafik an Hintergrund- und Schriftfarbe.

Google erkennt so die beiden Wortbestandteile „Journalist“ und „innen“ nicht als ein zusammengehöriges Wort. Für Google steht im Text der Begriff „Journalist“ und entsprechend ist für einen solchen Suchbegriff ein Ranking möglich. Diese Variante ist allerdings für barrierefreie Website vermutlich nicht optimal, da der Wortteil „innen“ wie ein separates Wort interpretiert wird.

Genderneutralität versus Barrierefreiheit

Dass die gendergerechte Schreibweise für die technische Verarbeitung noch neu und problematisch ist, zeigt sich nicht nur bei Googles Algorithmus. Barrierefreiheit ist längst keine neue Thematik bei der Gestaltung von Websites. Um den Content einer Website konsumieren zu können, setzen Menschen mit Sehbehinderung zum Lesen der Inhalte sogenannte Screen Reader ein.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFGS) hat bereits 2021 die barrierefreie Umsetzung von Websites weitgehend verpflichtend gemacht. Auch wenn die Regeln erst 2025 in Kraft treten, sollte man sie bereits heute berücksichtigen. Wer möchte schon ältere Inhalte nochmals überarbeiten müssen? Und wer sich damit befasst, wird auch die Usability und SEO-Aspekte der Website verbessern.

Aus diesem Grund ist auch für den BDSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.) das Gendern auf Websites ein wichtiges Kriterium für die barrierefreie Gestaltung. Der DBSV spricht eindeutige Empfehlungen aus: für blinde und sehbehinderte Menschen sind gegenderte Schreibweisen durch das Gender-Sternchen, einen Unterstrich oder einen Doppelpunkt problematisch. Beim Vorlesen werden diese Sonderzeichen in der Regel entweder überlesen oder mit vorgelesen, was den Lesefluss beeinträchtigt. So wird aus „Journalist*innen“ für den Screen Reader „Journalist Sternchen innen“. Alleine der Gedanke an einen Text, in dem viel gegendert wird und jedes Sonderzeichens durch den Screen Reader ausgesprochen wird, lässt die Zumutung an das inhaltliche Textverständnis erkennen.

Bei gängigen Screen Readern lassen sich verschiedene Einstellungen treffen, so dass beispielsweise ein „*“ im Text nicht vorgelesen wird. Das Unterdrücken des Sonderzeichens macht sich in einer kleinen Pause in der Audiotranskription bemerkbar. Die gegenderte Schreibweise würde so ähnlich ausgesprochen werden, wie die genderneutralen Begriffe ohnehin real gesprochen werden.

Gleichzeitig ergeben sich bei solchen Einstellungen wiederum andere Probleme für die Usability. Das Sternchensymbol (*) hat neben dem Einsatz als Gendersternchen noch weitere Funktionen auf Websites. So wird das Sternchen genutzt, um auszufüllende Pflichtfelder in Formularen zu kennzeichnen. Deaktiviert man das Vorlesen des Symbols, wird die Usability für sehbehinderten Internetnutzer ebenfalls eingeschränkt.

Ähnlich wie auch für den Google Algorithmus sind die unklaren Schreibregeln für die Algorithmen der Screen Reader eine Herausforderung. Da sich im Sprachgebrauch noch keine klare Lösung etabliert hat, sollte die Liste nicht empfohlener Gender-Kurzformen des DBSVs berücksichtigt werden. Die Empfehlung lautet auch hier, beide Personenbezeichnungen auszuformulieren (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen) oder genderneutrale Formulierungen (Team) zu verwenden.

Ein Beitrag von:
Thomas
Thomas ist Ingenieur und SEO-Evangelist bei +Pluswerk
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